Trinkwasseranalyse mit positivem Resultat

27.11.12 20 Minuten Online ‐ «Unser Trinkwasser ist besser denn je»

«Unser Trinkwasser ist besser denn je»

von A.Bättig ­ Der «Kassensturz» hat das Trinkwasser von 50 Schweizer Städten analysiert – und darin Pestizide, Medikamente und Rostschutzmittel gefunden. Kein Grund zur Sorge, sagt Toxikologe Lothar Aicher.

Lothar Aicher ist Experte für Regulatorische Toxikologie. Er arbeitet im
Schweizerischen Zentrum für Angewandte Humantoxikologie an Universität Basel.

Herr Aicher, der Kassensturz berichtete Anfang Woche über Rückstände verschiedener Medikamente und Chemikalien im Trinkwasser. Ökotoxikologin Nathalie Chèvre befürchtet gar, dass dies langfristig für den Menschen Folgen haben könnte. Wie gefährlich sind diese Stoffe?

Lothar Aicher: Es gibt keine Hinweise, dass die extrem niedrigen nachgewiesenen Konzentrationen dieser Stoffe gesundheitsschädlich sind. Ausserdem zeigt die Studie nichts Neues. Chemikalien gab es schon immer in unserem Trinkwasser. Heute sind die Analysemethoden allerdings so gut, dass man selbst kleinste Mengen nachweisen kann.

Wo stehen wir heute in dieser Entwicklung?

Die Methoden werden kontinuierlich verfeinert. In Zukunft können Stoffe in noch niedrSigenedren Konzentrationen nachgewiesen werden. Allein der Nachweis eines Stoffes sagt jedoch noch nichts darüber aus, ob er gesundheitsschädlich ist. Jede Verunreinigung, die verhindert werden kann, soll verhindert werden. Neue Techniken und neue Vorschriften haben dazu geführt, dass unser Trinkwasser heute besser ist denn je.

Die Studie aber besagt, dass nicht einzelne Stoffe, sondern gewisse Kombinationen einen negativen Effekt auf den Menschen haben könnten.
Solche Mischungseffekte sind wissenschaftlich interessant. Aber im Fall des Trinkwassers sind die Konzentrationen zu gering, so dass auch von Mischungen keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwarten sind.

Können sich diese Medikamente und Chemikalien auf Dauer nicht im Körper ansammeln und nach Jahrzehnten doch noch einen Effekt haben?
Der menschliche Körper verfügt über Schutzmechanismen gegen solche Stoffe. Durch den ständigen Abbau werden die Stoffe unschädlich gemacht und ausgeschieden.

Wie weit entfernt von einer gesundheitsschädlichen Konzentration sind wir denn?
Das kommt auf den Stoff an. Generell kann man aber sagen, dass die meisten Stoffe 10’000 bis 100’000-fach unter dem Grenzwert liegen, der als gesundheitsschädlich gilt.

Neben Medikamenten und Chemikalien sollen sich speziell Hormone im Trinkwasser negativ auf den Körper auswirken. Schuld daran soll die Anti­Baby­Pille sein. Was sagen sie dazu?
Die Diskussion entsteht vor allem dadurch, dass Hormone im Abwasser gemessen werden. Für das Trinkwasser konnten keine gesundheitsschädlichen Hormonkonzentrationen nachgewiesen werden.

Und dann wären da noch die PET­Flaschen, die Stoffe ans Wasser abgeben sollen, die wie Östrogene wirken und die männliche Fruchtbarkeit schädigen könnten – ein Mythos?
Das Bundesamt für Gesundheit hat letztes Jahr in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Öko-Toxikologie eine Studie veröffentlicht, die sagt, dass die Hormonmengen in abgefüllten Mineralwassern für die Verbraucher kein Gesundheitsrisiko darstellen.

Die Kläranlagen in der Schweiz können Chemikalien und Medikamente-Rückstände nicht restlos aus dem Abwasser herausfiltern. Doch Keime machen sie unschädlich, wie hier in der Abwasserreinigungsanlage ARA in Dietikon.

Auf ganz andere Wasser-Reinigungs-Methoden müssen Menschen in der dritten Welt zurückgreifen. Hier wird das Wasser mit Hilfe der Sonne keimfrei gemacht. Dabei wird verkeimtes Wasser in transparente PET- oder Glasflaschen gefüllt und während 6 Stunden an die Sonne gelegt. In dieser Zeit töten die UV-Strahlen der Sonne Durchfall erzeugende Krankheitskeime ab.

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